Haben Sie schon einmal eine Katze beobachtet?
Alles an ihr drückt Achtsamkeit aus. Selbst wenn sie auf der Heizung döst, ist sie gleichzeitig wachsam.
Sie reagiert auf jede Veränderung in ihrem Umfeld.
Sie hat etwas, was wir scheinbar nicht haben: Risikobewusstsein.
Mit zunehmender Distanz zur Natur ist unser Risikobewusstsein geschrumpft, man möchte meinen, bei vielen Menschen nicht mehr existent. Und viele Katastrophen haben hier ihre Ursache.
Mangelndes Risikobewusstsein führt im Kleinen, im privaten Bereich und im Großen früher oder später zu einem Schadensereignis, das nicht selten in einer Katastrophe gipfelt. Bekanntestes Beispiel ist wohl der Untergang der Titanic.
Ich habe mir verschiedene Katastrophen angesehen und festgestellt, dass jeder Katastrophe eine Art Syndrom vorausgeht. Die Katastrophe ist sozusagen das Finale des Syndroms, das ich Titanic-Syndrom nenne.
Was hat es mit diesem Syndrom nun auf sich?
Wie bei jedem Syndrom gibt es verschiedene Symptome, die gleichzeitig auftreten.
Ein Beispiel aus dem privaten Bereich: Eine Familie lebt in einem Einfamilienhaus. Die von außen erreichbaren Fenster und die Terrassentür sind nicht mit einbruchhemmenden Beschlägen ausgestattet, eine Einbruchmeldeanlage gibt es nicht. Auch keine Rauchmelder - und einen Feuerlöscher würde man vergeblich suchen.
Hier haben wir schon mehrere Symptome, die auf das Titanic-Syndrom hinweisen.
Und natürlich gibt es auch eine Ursache, nämlich das nichtvorhandene Risikobewusstsein. Man lebt in einer Illusion der Sicherheit.
Die Symptome weisen auf das Titanic-Syndrom hin – die Katastrophe kann sich in den unterschiedlichsten Bereichen abspielen: Vielleicht ein Herzinfarkt, weil Risiken einer falschen Lebensweise nicht beachtet wurden.
Für uns sind in diesem Zusammenhang drei Dinge wichtig:
1. Erkennen, dass wir in einer sehr komplexen Welt leben, in der stabile
Prozesse nur ein momentaner, zeitlich begrenzter Zustand sind.
2. Aus dieser Erkenntnis heraus ein Bewusstsein für Risiken entwickeln.
3. Entwickeltes Risikobewusstsein ermöglicht uns:
• Risiken zu erkennen
• Sie einzuschätzen
• Auf sie zu reagieren
Wir leben so nicht länger in einer illusionären Sicherheit und gleichen im gewissen Sinne der Katze: Wir sind nicht ängstlich, aber immer achtsam!