Dienstag, 5. März 2013

Der Einbrecher im Allgemeinen


Die Zeit der Edelganoven ist endgültig vorbei. Die heutigen Tatortbilder sind häufig geprägt von Spuren der Zerstörung und des Vandalismus. Es  gibt sie schon noch die Profieinbrecher mit einem gewissen Berufsethos, aber immer mehr wird die Kriminalitätsstatistik durch Jugendliche mit mangelndem Unrechtsbewusstsein bestimmt, die aus Frustration und Langeweile in Häuser eindringen und ein Schreckensbild der Zerstörung und Verwüstung hinterlassen. So ist Einbruchsdiebstahl heute ein Delikt, das bei den Opfern besonders schwere und lang anhaltende psychologische Störungen hervorruft, die teilweise traumatische Konsequenzen haben. Schon die Tatsache, dass Unbekannte in die eigene Wohnung und damit in den eigenen Intimbereich eingedrungen sind, ist ein Auslöser für derartige Störungen. Der Anblick einer durch blinde Zerstörungswut entweihten Wohnwelt potenziert diese Störungen massiv und führt teilweise dazu, das Opfer eines Einbruchs die Wohnung oder das Haus aufgeben.     


Man kann sie klassifizieren, die Einbrecher. Das Bundeskriminalamt Österreich  hat sich zum Beispiel für sechs Kategorien entschieden. Da gibt es die organisierten Banden, nicht selten ethnische Gruppierungen, die vorbestellte Waren im Rahmen von Geschäftseinbrüchen organisieren. Dann unterscheidet man Wohnungs- und Wohnhauseinbrecher spezialisiert auf Tatorte mit hoher Beuteerwartung. Man hat weiterhin mit „Berufsverbrechern“ mit langjähriger Hafterfahrung zu tun, mit Beschaffungskriminellen, die für ihren Drogenkonsum einbrechen, mit Gelegenheitstätern und mit Jugendlichen mit gestörtem Unrechtsbewusstsein.
Für uns, als mögliche Opfer, sind derartige Einteilungen eher uninteressant. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Profiganoven, die auch vor hochwertigen technischen Sicherungen und selbst vor einer direkten Konfrontation mit Anwesenden nicht zurückschrecken,  für unser trautes Heim interessieren, ist gering und gegen den Rest kann man etwas tun.



Im Rahmen einer Studie der Ruhr-Universität Bochum wurde eine Befragung von Straftätern die wegen Einbruchsdelikten verurteilt wurden und eine Haftstrafe abbüßten, durchgeführt. Ein Teil der Interviewten outeten sich als berufsmäßige Einbrecher. Sie lebten also außerhalb ihrer Haftzeiten vom „Bruch“.  
Die Befragung  ergab unter anderem, dass die Lage des Einbruchobjektes für die Täter, von besonderer Relevanz ist. Sehr viele der Befragten achteten darauf, dass die Objekte von wenigen Häusern umgeben, also in einer eher abgelegenen Lage  waren. Für viele war es wichtig, dass die Möglichkeit von Zeugen gesehen zu werden, gering war. Sie achteten auf geringen Passantenverkehr und auf eine Nachbarschaft von der eine geringe Aufmerksamkeit vermutet wurde. Andere Täter gehen davon aus, dass Passanten oder Nachbarn, obwohl sie Verdachtsmomente wahrnehmen, diese ignorieren.
Für einige der Täter war eine schlechte Einsehbarkeit des Objektes von Außen  von Bedeutung, für anderen war dies unwichtig. Gute An- und Abfahrtswege, gute Möglichkeiten zum Abtransport der Beute und einen insgesamt leichten Zugang zum Objekt ist für viele ebenfalls ein Entscheidungskriterium. Die Täter sind übrigens häufig aus dem Umfeld des Tatobjektes, das heißt sie kennen sich bestens aus und kennen möglicherweise sogar ihre Opfer. Sie arbeiten auch häufig mit Informanten zusammen. Zu dem Thema befragte Polizeibeamte stellten fest: Das Entdeckungsrisiko ist relativ gering, wenn man z.B. einen Informanten hat, der einem sagt, wo was zu holen ist und die Örtlichkeit beschreiben kann. „Jeder, der einmal auf frischer Tat erwischt wird, hat davor mindestens schon 50 Brüche gemacht, bei denen er nicht erwischt worden ist. Das ist tief geschätzt“.
Bei der Entscheidungsfindung zur Begehung eines Einbruchdeliktes spielte bei vielen der Befragten neben dem ökonomischen Aspekt, Spaß, Abenteuerlust, das Austesten der eigenen Grenzen u. A. eine nicht unwesentliche Rolle. Die Suche nach Anerkennung in den eigenen Kreisen scheint vor allem bei osteuropäischen Tätern ein wichtiges Motiv zu sein.

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